HWS-Syndrom: Ursachen, Symptome und Behandlung bei Nackenschmerzen
Beim Ausparken gelingt der Schulterblick nur noch mit dem ganzen Oberkörper, morgens fühlt sich der Nacken an wie festgeschraubt und abends zieht es bis in die Hand: Hinter solchen Beschwerden steckt häufig ein HWS-Syndrom. Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts hatte fast jeder zweite Erwachsene in Deutschland innerhalb eines Jahres Nackenschmerzen. Ob die Beschwerden rasch wieder abklingen oder eine Behandlung benötigen, hängt von ihrem Auslöser ab. Im Folgenden erklären wir Ihnen, wie es zu Problemen mit der Halswirbelsäule kommen kann, woran Sie ein HWS-Syndrom erkennen und welche Therapiemöglichkeiten es gibt.

Im Beitrag erfahren Sie
- Was ein HWS-Syndrom ist
- Welche Symptome und Ursachen möglich sind
- Wie das HWS-Syndrom diagnostiziert wird
- Welche Behandlungen infrage kommen
Was ist ein HWS-Syndrom?
Der Begriff HWS-Syndrom, auch Zervikalsyndrom genannt, fasst alle Beschwerden zusammen, die von der Halswirbelsäule und ihrer Muskulatur ausgehen. Er beschreibt also ein Beschwerdebild und keine eigenständige Diagnose.
Sieben Wirbel bilden die Halswirbelsäule. Die beiden obersten, Atlas und Axis, tragen den Kopf und ermöglichen einen Großteil seiner Drehbewegung. Ab dem zweiten Halswirbel liegen Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern. Seitlich treten die Nervenwurzeln aus, die Schulter, Arm und Hand versorgen.
Welche Symptome treten bei einem HWS-Syndrom auf?
Leitsymptom ist ein Nackenschmerz, der sich bei bestimmten Bewegungen verstärkt. Viele Betroffene können den Kopf nur eingeschränkt drehen oder neigen. Die Muskulatur fühlt sich hart an. Oft zieht der Schmerz in den Schultergürtel oder zwischen die Schulterblätter.
Wird eine Nervenwurzel gereizt, folgt der Schmerz dem Verlauf des Nervs bis in Arm und Hand. Kribbeln, Taubheit oder nachlassende Kraft können hinzukommen.
Viele Betroffene bemerken die Beschwerden morgens nach dem Aufstehen, wenn der Nacken über Nacht in einer ungünstigen Position lag. Mit etwas Bewegung lässt die Steifigkeit dann meist nach. Bei anderen meldet sich der Nacken erst im Laufe des Tages, etwa nach Stunden am Schreibtisch oder einer langen Autofahrt. Manchmal setzt der Schmerz auch schlagartig ein, z. B. nach einer ruckartigen Drehung des Kopfes. Bei einer gereizten Nervenwurzel verstärken sich die Symptome oft, wenn Sie den Kopf in den Nacken legen oder zur betroffenen Seite drehen. Das kann auch nachts stören.
Geht der Kopfschmerz von der Halswirbelsäule aus, steigt er meist vom Nacken über den Hinterkopf nach vorn und bleibt auf derselben Seite. Typisch ist, dass Kopfbewegungen ihn verstärken. Diese Verbindung zum Nacken unterscheidet ihn von einer Migräne, die oft pulsierend auftritt, die Seite wechseln kann und von Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit begleitet wird.
Je nachdem, wohin die Beschwerden reichen, zeigt sich das HWS-Syndrom in drei Ausprägungen:
Die Schmerzen bleiben auf Nacken und Schultergürtel begrenzt.
In diesem Fall strahlen die Schmerzen in den Arm aus.
Hier stehen Kopfschmerzen im Vordergrund.
Oft gehen die Formen ineinander über, etwa wenn Nackenschmerzen zugleich in den Arm ausstrahlen und von Kopfschmerzen begleitet werden.
Welche Ursachen hat ein HWS-Syndrom?
Meist lässt sich kein einzelner, eindeutig nachweisbarer Auslöser finden. Orthopäden sprechen dann von nicht-spezifischen Nackenschmerzen. Das bedeutet nicht, dass die Beschwerden eingebildet oder harmlos sind, sondern dass sich kein klar abgrenzbarer Schaden wie ein Bruch oder eine Entzündung als Ursache feststellen lässt. So beschreibt es auch die S3-Leitlinie „Nicht-spezifische Nackenschmerzen“ der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) aus dem Jahr 2025. Leitlinien geben Ärzten Empfehlungen für Diagnostik und Behandlung. Die Stufe S3 steht dabei für die höchste Qualität: Sie beruht auf einer systematischen Auswertung der Studienlage und einem strukturierten Abstimmungsprozess unter Experten.
Trotzdem lassen sich häufig Befunde ausmachen, die zu den Beschwerden beitragen. Oft sind es sogar mehrere zugleich:
- Muskuläre Verspannungen im Trapezmuskel und Schulterblattheber mit tastbaren, druckempfindlichen Triggerpunkten
- Funktionsstörungen der kleinen Wirbelgelenke, umgangssprachlich Wirbelblockade
- Verschleiß in Form einer Osteochondrose mit Höhenverlust der Bandscheiben oder einer Arthrose der Facetten- und Unkovertebralgelenke; mehr dazu unter Arthrosetherapie
- Ein Prolaps, wenn Bandscheibengewebe auf eine Nervenwurzel drückt, auch bekannt als Bandscheibenvorfall
- Schleudertrauma, z. B. nach Auffahrunfällen
Wann ist ein Zervikalsyndrom akut und wann chronisch?
Maßgeblich für die Einordnung ist, wie lange die Beschwerden bereits bestehen. Die DEGAM-Leitlinie unterscheidet drei Phasen: Bis zu drei Wochen gelten Nackenschmerzen als akut, zwischen vier und zwölf Wochen als subakut und danach als chronisch.
Typisch für die akute Form ist, dass die Beschwerden unvermittelt einsetzen und oft stark sind. Wie schnell sie sich bessern, hängt von der Ursache ab. Lassen Sie plötzlich auftretende Nackenschmerzen ärztlich untersuchen, vor allem, wenn Sie diese in dieser Form nicht kennen.
Stecken verspannte Muskeln dahinter, klingen die Schmerzen häufig innerhalb von ein bis zwei Wochen ab – oft sogar von selbst.
Irritiert dagegen ein Bandscheibenvorfall eine Nervenwurzel, braucht es mehr Geduld. Viele Betroffene rechnen dann mit einer Operation, doch in den meisten Fällen bessern sich die Beschwerden auch ohne Eingriff. Die Reizung des Nervs klingt allerdings meist erst im Laufe mehrerer Wochen bis Monate ab, denn die Entzündung muss zurückgehen und das ausgetretene Bandscheibengewebe kann sich erst nach und nach zurückbilden. Strahlen Schmerzen in den Arm aus oder kribbeln die Finger, prüfen wir, wie stark der Nerv betroffen ist und ob eine Operation nötig wird. Sie kommt vor allem infrage, wenn Lähmungen auftreten oder zunehmen, wenn Druck auf das Rückenmark besteht oder starke Schmerzen trotz konsequenter Behandlung über längere Zeit anhalten.
Nach einem Unfall lässt sich die Heilungsdauer erst abschätzen, wenn feststeht, welche Strukturen der Halswirbelsäule verletzt sind.
In den meisten Fällen verzögert längere Schonung die Besserung eher. Wie viel Bewegung Ihnen guttut und welche Behandlung die Schmerzen bis dahin lindert, hängt vom Befund ab. Bei der Therapiebesprechung klären wir Sie auf.
Halten Nackenschmerzen länger als drei Monate an oder kehren sie immer wieder, stecken oft verschleißbedingte Veränderungen an Bandscheiben oder Wirbelgelenken dahinter. Eine mögliche Ursache ist auch eine über längere Zeit nur einseitig belastete Muskulatur.
Typisch ist, dass die Beschwerden mal stärker, mal schwächer ausfallen. Mit der Zeit kann sich auch ihr Charakter verändern: Der Schmerz ist dann weniger an bestimmte Bewegungen gebunden. Zudem reagiert das Nervensystem empfindlicher, sodass schon geringe Belastungen die Nackenbeschwerden auslösen. Bei manchen Betroffenen wechseln sich Schübe mit beschwerdefreien Phasen ab.
Anders als bei der akuten Form geht es in der Behandlung weniger darum, eine einzelne Schmerzphase zu überbrücken. Ziel ist es, die Halswirbelsäule dauerhaft beweglich und belastbar zu machen. Im Mittelpunkt steht deshalb eine aktive Therapie, die passive Verfahren sinnvoll ergänzen können. Da auch Stress und Anspannung im Alltag den Verlauf beeinflussen, lohnt es sich, diese Faktoren ebenfalls im Blick zu behalten.
Die subakute Phase bildet den Übergang zwischen beiden Formen. Lassen die Beschwerden in dieser Zeit nicht spürbar nach, lohnt es sich, die Behandlung zu überprüfen und an der Ursache anzusetzen. So lässt sich häufig verhindern, dass aus einem akuten ein chronisches Zervikalsyndrom wird.
Warum wird ein HWS-Syndrom immer schlimmer?
Halten die Beschwerden länger an, liegt das oft an einer Schonhaltung: Wer den Kopf aus Vorsicht kaum noch bewegt, verspannt die Muskulatur zusätzlich. Die Gelenke verlieren dann an Beweglichkeit und der Schmerz nimmt zu. Ist eine Nervenwurzel oder das Rückenmark eingeengt, können die Beschwerden auch tatsächlich fortschreiten.
Zeitnah orthopädisch abklären lassen sollten Sie zunehmende Kraftlosigkeit in Arm oder Hand, sich ausbreitende Taubheit, Nackenschmerzen nach einem Sturz oder Unfall sowie Gangunsicherheit und ungeschickte Hände. Die beiden letzten Zeichen können auf Druck auf das Rückenmark hinweisen, eine sogenannte zervikale Myelopathie.
Wie stellt der Orthopäde ein HWS-Syndrom fest?
Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über Beginn, Auslöser und Ausstrahlung der Beschwerden. In der anschließenden Funktionsuntersuchung prüfen wir die Beweglichkeit jedes Abschnitts der Halswirbelsäule. Wir tasten Muskulatur sowie Wirbelgelenke ab. Zusätzlich testen wir Reflexe, Kraft und Empfindung in Armen und Händen.
Dabei grenzen wir Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ab. Kribbeln in den Fingern kann auch von einem Karpaltunnelsyndrom stammen, Schulterschmerzen vom Schultergelenk selbst, etwa bei einer Kalkschulter.
Röntgen oder MRT sind in der Regel nur bei Warnzeichen, neurologischen Ausfällen oder ausbleibender Besserung sinnvoll.
Wie lässt sich ein HWS-Syndrom behandeln?
Ziel ist es, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zurückzugewinnen. Die DEGAM-Leitlinie empfiehlt dafür an erster Stelle Bewegung und Wärme. Darauf baut die orthopädische Behandlung auf, die wir in unserer Privatpraxis für Orthopädie und Traumatologie in Frankfurt individuell auf Ihren Befund abstimmen.
Bei uns stehen dafür diese Verfahren zur Verfügung:
Zunächst tasten wir jedes Segment der Halswirbelsäule einzeln ab, um festzustellen, welches Wirbelgelenk in seiner Beweglichkeit gestört ist. Anschließend lösen wir die Funktionsstörung entweder durch langsame, wiederholte Mobilisation im schmerzfreien Bereich oder durch einen kurzen, gezielten Impuls mit sehr kleinem Bewegungsausschlag.
Weil an der Halswirbelsäule Nerven und Blutgefäße eng beieinanderliegen, schließen wir vorab Gründe aus, die gegen die Chirotherapie sprechen. Dazu gehören eine Instabilität, frische Verletzungen oder ausgeprägte Osteoporose. Bei einem HWS-Syndrom durch blockierte Wirbelgelenke lässt sich der Kopf danach oft wieder freier drehen und neigen.
Mehr dazu: Chirotherapie in Frankfurt
Hierbei ziehen wir die Halswirbelsäule behutsam in Längsrichtung auseinander. Der Zug kann Bandscheiben und Facettengelenke entlasten und den Raum an den Austrittsstellen der Nervenwurzeln geringfügig erweitern.
Gleichzeitig angewandte Wärme lockert die verspannte Nacken- und Schultermuskulatur, sodass sich der Zug besser auf die Gelenke überträgt.
Bei der Neuraltherapie spritzen wir ein örtliches Betäubungsmittel in schmerzhafte Muskelverhärtungen, etwa in die Triggerpunkte der Nackenmuskulatur.
Wirbelsäulennahe Infiltrationen setzen tiefer an: Hier gelangt das Betäubungsmittel, bei Bedarf ergänzt um einen Entzündungshemmer, direkt an gereizte Facettengelenke oder an Sehnen- und Bandansätze der Halswirbelsäule.
Beide Verfahren unterbrechen den Kreislauf aus Schmerz, Verspannung und Schonhaltung.
Weitere Informationen: Neuraltherapie in Frankfurt
Drückt ein Bandscheibenvorfall oder eine knöcherne Einengung auf eine Nervenwurzel, kann diese anschwellen und sich entzünden. In diesem Fall sprechen wir von einer zervikalen Radikulopathie, die sich durch Schmerzen und Kribbeln bis in Arm und Hand äußert.
Unter Sicht im Schnittbild führen wir die Nadel millimetergenau an die betroffene Nervenwurzel und bringen dort einen Entzündungshemmer ein, meist kombiniert mit einem Betäubungsmittel.
Gerade an der Halswirbelsäule, wo Rückenmark und Gefäße unmittelbar benachbart sind, ist diese Präzision entscheidend. Klingt die Entzündung ab, lassen häufig auch die ausstrahlenden Beschwerden nach.
Über eine Vene gelangen schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkstoffe direkt in den Blutkreislauf und wirken innerhalb weniger Minuten. Das hilft besonders bei starken akuten Beschwerden, wenn der Nacken so schmerzt, dass Bewegung kaum möglich ist.
Zudem eignet sich die Infusion für Personen, die Tabletten etwa wegen Magenbeschwerden oder einer Behandlung mit Blutverdünnern nicht einnehmen können.
Das elastische Tape kleben wir je nach Befund entlang der Nackenmuskulatur, über den Trapezmuskel oder vom Nacken bis zum Schulterblatt. Entscheidend ist dabei die Technik: Mit welcher Spannung und in welcher Richtung wir das Tape aufbringen, bestimmt, ob es eher entspannend oder stabilisierend wirken soll. Bei einem HWS-Syndrom mit verhärteter Nacken- und Schultermuskulatur steht meist die entspannende Wirkung im Vordergrund.
Bei jeder Kopfbewegung hebt das Tape die Haut leicht an. Das soll die Durchblutung und den Lymphabfluss im Gewebe anregen und über Rezeptoren in der Haut die Schmerzwahrnehmung dämpfen. Gleichzeitig spüren Sie durch den leichten Zug, wenn Sie den Kopf über längere Zeit nach vorn schieben, und korrigieren die Haltung fast unbewusst.
Das Tape haftet mehrere Tage und verträgt Duschen. Seine Wirkung entfaltet es am besten in Kombination mit aktiven Verfahren wie Krankengymnastik.
Weitere Informationen: Kinesio-Taping
Feine, sterile Einmalnadeln setzen wir an festgelegten Punkten im Nacken- und Schulterbereich, teils auch an weiter entfernten Stellen wie Hand oder Unterarm. Der Einstich ist kaum zu spüren. Viele Patientinnen und Patienten berichten von einem dumpfen Druck- oder Wärmegefühl. Während die Nadeln etwa 20 bis 30 Minuten wirken, ruhen Sie entspannt auf der Liege.
Die Nadelreize regen den Körper an, eigene schmerzhemmende Botenstoffe freizusetzen. Diese können die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Rückenmark dämpfen. Gleichzeitig lockert sich häufig die verspannte Nackenmuskulatur.
Für eine anhaltende Wirkung braucht es meist eine Serie von mehreren Sitzungen im Abstand von einigen Tagen. Bei einem chronischen HWS-Syndrom nennt die DEGAM-Leitlinie Akupunktur als mögliche Therapieoption.
Mehr dazu: Akupunktur bei Rückenschmerzen
Entzündungshemmende Schmerzmittel können in der akuten Phase kurzfristig helfen. Bei chronischen Verläufen rät die Leitlinie davon ab.
Langfristig stabilisiert eine aktive Therapie das Ergebnis. In der Physiotherapie kräftigt Krankengymnastik die tiefe Halsmuskulatur und die Muskeln rund um die Schulterblätter, während manuelle Therapie die Beweglichkeit der Gelenke verbessert. Übungen beim HWS-Syndrom wirken am besten, wenn Sie diese mehrmals täglich kurz durchführen. Lassen Sie sich die Übungen zunächst zeigen, denn bei ausstrahlenden Beschwerden können manche Bewegungen, etwa ein starkes Überstrecken des Kopfes, die Nervenwurzel zusätzlich reizen.
HWS-Syndrom behandeln in Frankfurt
In der Privatpraxis für Orthopädie und Traumatologie in der Hochstraße 31 in Frankfurt behandeln Dr. Nader Tabrizi, Dr. Stefan Chwalek und Dr. Isabella Gruber Patientinnen und Patienten mit einem HWS-Syndrom und anderen Beschwerden der Halswirbelsäule. Im Rahmen der Wirbelsäulentherapie stimmen wir die einzelnen Schritte aufeinander ab und passen sie an, wenn sich Ihre Beschwerden im Verlauf verändern.
Einen Termin können Sie online über Doctolib vereinbaren oder telefonisch unter 069 26 95 28 00.
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